Noch mehr Meer

Griechenland zeigt sich von seiner schönsten aber auch heißesten Seite. Nach einem kleinen Frühstück packen wir unsere sieben Sachen und machen uns weiter auf unseren Weg entlang der Küste. Eine Bucht ist schöner als die andere. Das Wasser funkelt in den wildesten Blau- und Türkistönen. Überall lässt es sich wunderbar aushalten. Wir lassen schweren Herzens viele Buchten links liegen. Man könnte durchaus auch 4 Wochen ausschließlich auf dem Peloponnes verbringen.

Nach kurzer Zeit erreichen wir den kleinen Badeort Methoni. Hier erliegen wir schlußendlich nach unfassbaren 49km dem Reiz des Meeres. Da der Strand gute 30m ins Wasser führt bis dass das Wasser die Hüften erreicht können wir einfach nicht wiederstehen. Wir dürfen uns direkt an den Strand stellen. 5m vom Wasser entfernt. Das dürfte mitunter unsere kürzeste Tagestour gewesen sein.

Zum ersten Mal gibt es Fisch zum Abendessen. Die erste Dorade, wenn auch Zuchtfisch, schmeckt immer noch am besten.

Am nächsten Morgen wollen wir die Überreste der venezianischen Festung besichtigen, die gleich vor dem Ort auf einer Landzunge fußläufig erreichbar ist. Die Festung ist noch in erstaunlich gutem Zustand und ist direkt ins Meer gebaut, was zu tollen Aussichten führt. An der Festung wird ordentlich am Erhalt gearbeitet. Der Eintritt von 2Euro ist vertretbar und wir augenscheinlich direkt in die Restaurirung investiert.

Am frühen Nachmittag brechen wir auf in Richtung Tsapi – einer Bucht nähe Koroni, die wir schon länger ins Auge gefasst hatten. Die Fahrt führt durch Olivenhaine und hügeliges Gelände. Die Trockenheit der letzten Wochen ist überall zu sehen. Die „offizielle“ Straße nach Tsapi lassen wir noch rechts liegen und steuern den Ort Koroni an, der uns mit einer sehr schönen aber zur Mittagszeit stillen Strandpromenade überrascht. Unser Frappe-Verbrauch schnellt auch hier wieder in die Höhe. Bei Temperaturen um die 33 Grad auch die beste Alternative, um sich im Schatten abzukühlen.

Der alternative Weg nach Tsapi ist eine Schotterpiste, die in Vasilitsi abbiegt. Die Straße ist abenteuerlich in den Hang gebaut und führt immer weiter abwärts in Richtung Wasser. Wir erreichen einen Abzweig, an dem nicht ersichtlich ist, ob er nun rechts der linksrum nach Tsapi führt. Uns kommt ein Allradler entgegen, die mit Deutschen besetzt sind und unsere Misere richtig deuten. Ein „Hier rechts runter“ lässt uns aber fast noch ratloser zurück. „Echt jetzt? Da runter?“. Vor uns tut sich ein Trampelpfad auf, links der Hang, rechts eine endlose Reihe Olivenbäume. Die Grillen zierpen so laut, dass es in den Ohren weh tut und wir fühlen uns, als wären wir auf einem anderen Planeten. Ein Umdrehen ist zwar möglich aber sinnlos. Schlagen wir uns also durch.
Der Weg ist steil und eng, wir brauchen 4 Augen, um nicht nach rechts vom Pfad abzukommen und eigentlich mehr Arme als verfügbar als Astabweiser. Armes Wiggerl – das gibt wieder ordentlich Schrammen.

Die knorrigen Olivenbäume rücken keinen Milimeter und quietschen und kratzen sich am Aufbau entlang. Ohne unser Garmin würden wir wahrscheinlich heute noch im Olivenhain umherirren, da immer wieder kleinere Pfade abweichen. Nach etwa anderthalb Stunden für etwa 20km kommen wir wieder auf die geteerte Straße nach Tsapi und erreichen den wunderschön an der Bucht gelegenen Campingplatz. Der ist mit nur wenigen Wohnmobilen belegt. Wir suchen uns unser Plätzchen raus und beschließen recht schnell: Hier gibts einen fahrfreien Tag…. und eine dringend notwendige Dusche. Die halbkreisförmige Bucht hat einen seichten weit abfallenden Strand ins Meer, schwimmen können wir erst nach gut 15m reinlaufen, dafür ist das Wasser herrlich warm.

Neben uns haben sich bereits Erika und Günter eingefunden, die auch die Piste versuchen wollten, aber umdrehen mussten, um die Hauptstraße zum Campingplatz zu nehmen. Mit ihnen verbringen wir 2 wunderbare Abende in der nahegelegenen Taverne mit zugehörigen Absackern danach. An dieser Stelle herzliche Grüße – der Fuß ist noch dran 😉 und vielen Dank für die Bilder.

Es ist Zeit für die Weiterreise. Unser nächstes Etappenziel ist Kalamata. Die Stadt liegt zwischen dem ersten und zweiten Finger, dem Eingang zur Mani des Peloponnes. Dort gilt es, Verwandschaft aufzusuchen. Alex` Cousine ist dort verheiratet und beide haben sich schon seit vielen vielen Jahren nicht mehr gesehen. Die Stadt überrascht uns mit ihrer herrlichen Quirligkeit und den Massen an Cafes und Restaurants. Es ist unmöglich, an diesen einfach so vorbeizulaufen. Wir schlagen uns die Haupt-Einkaufsstraße entlang durch und entdecken wahre Schätzchen. Kalamata ist unbedingt als Zwischenstop zu empfehlen.

Das Wiedersehen mit der Cousine + Familie wird typisch griechisch bei einem gemeinsamen Abendessen zelebriert. Wir holen uns viele Tipps für die Mani und versprechen, auf dem Rückweg nochmal in Kalamata Halt zu machen. Dazu sollte es leider aufgrund persönlicher Umstände nicht mehr kommen. Nichtsdestotrotz werden wir das Treffen hoffentlich sehr sehr bald entweder in München oder in Kalamata nachholen.

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Historische Stätten und kühle Berge

Es treibt uns weiter. Wir lassen uns natürlich alte Steine nicht entgehen. Und schon gleich gar nicht, wenn diese so geschichtsträchtig sind wie diese: Olympia.

Da wir uns an die „Wir machen uns abfahrbereit“ Abfolgen noch gewöhnen müssen dauert es etwas. Gegen 1030 heißt es aufsitzen. Unser Weg führt uns weiter ins Landesinnere, um das alte Olympia zu erkunden. Wir sind uns durchaus bewusst, dass es vielleicht nicht so schlau war, um die Mittagszeit dort einzutreffen, trotzdem wollen wir das Klischee des Durchschnittstouris erfüllen.

Nun: das Gelände ist riesig. In historischen Vorzeiten sicher satt bebaut mit Tempeln (Zeus und Hera) von denen leider nicht mehr viel zu sehen ist sowie diversen Weihstätten.

Der Altar vor dem Zeustempel dient noch heute für die Entzündung der olympischen Fackel (An dieser Stelke bitte das symbolträchtige Feuerzeugbild denken. Bei 30 Grad hat unser Hirn erst Stunden später daran gedacht. Für weitere Fotos möge man bitte Google bemühen.)

Die Arena an sich erreicht man über einen angedeuteten Tunnel. Auf dem Weg hindurch klingelt imaginäre Musik in den Ohren. Man spürt das Raunen der rund 45.000 Zuschauer. Die Arena öffnet sich unter einem wolkenlosen Himmel. Nur die Schiedsrichter sitzen auf „komfortablen“ Steinblöcken. Jeder Besucher hat sich im Gras platziert…. so oder ähnlich muss es sich wohl zugetragen haben.

Nach gut 2stündiger Expedition in die Geschichte haben wir Frevler genug von Hitze in Olympia. Nach einem erfrischenden Frappe entscheiden wir uns für die Flucht in die Berge. Wir wollen Richtung Dimitsana in der Hoffnung, dass es dort kühler ist. Die Strasse windet sich einem Fluss entlang den Berg hinauf. Endlich keine 30 Grad mehr im Schatten. Den Schlafplatz finden wir kurz vor Dimitsana versteckt von der Strasse mit Ausblick über die Hügellandschaft. Wir grillen uns noch 1, 2, 3 Souflaki und fallen erschöpft ins Bett.

Nach einer erholsamen Nacht geniessen wir ein griechisches Frühstück bestehend aus Kaffee, Toast und den obligatorisch griechischen Chips bei einem sensationellen Ausblick.

Es geht weiter über Bergstrassen in Richtung Meer zurück.

Dabei kommen wir an der wunderschönen Loukios Schlucht vorbei. Eine willkommene Abwechslung. Eine gerettete Schildkröte und vielen Kurven später erreichen wir das Kleinod reinsten Wassers.

Am Abend erreichen wir Filiatra. Nach einem abkühlenden Sprung ins Meer erholen wir uns bei einem ordentlichen Sundowner und richten uns die Bewacherhunde für die Nacht ab.

Oh Du schöner Peloponnes

Nach einer traumhaft durchgeschlafenen Nacht, die sich ein bisschen so anfühlt als würde Mutter Natur mit den Wellen unser Wiggerl in den Schlaf schaukeln, wachen wir mit grandiosem Blick auf das albanische Festland auf. Zusammen mit gut 30 weitern Campern, die die Nacht wie wir im eigenen Fahrzeug auf offenem Deck verbracht haben, erwarten wir die erste Anlegestelle gegen 11 Uhr in Igoumenitsa.

Der Kapitän hat ordentlich Zeit rausgefahren. Mit nur einer halben Stunde Verspätung erfolgt die Abladung ratzfatz. Etwa die Hälfte der Urlauber verlassen hier das Schiff. Das gibt natürlich viel Raum an Deck. Nach etwa 40 Minuten heißt es schon wieder „Leinen los“ – weiter geht’s nach Patras. Zwischen griechischen Inseln hindurch schippern wir nach Süden. Die Zeit vergeht kurzweilig. Es gibt viel zu sehen, Mitreisende erzählen Geschichten und gegen 1600 heisst es „aufsitzen“ und Motoren an. Die Entladung auch hier äusserst organisiert und schnell. Hellas Griechenland.

Für unseren ersten Stop haben wir uns ein Kap an der Westküste des Peloponnes ausgesucht. Wir kaufen das Notdürftigste ein, das heisst bei uns: Souflaki für den Grill und der Grundvorrat an Wasser, Bier und Wein.

Gute 30km später erreichen wir Kap Kounupeli. Ein weiter Strand mit, natürlich, Camping verboten Schildern. Wir schlagen einen Haken nach links und folgen dem Feldweg noch ein gutes Stück bis sich ein weitläufiger Sandstrand vor uns auftut. Der hat quasi auf uns gewartet. Schnell sind Stühle, Tisch und Markise aufgebaut. Der Grill ist angefeuert und wir stellen fest: Schöner kanns gar nicht starten. Der Strand gehört komplett uns, keine Menschenseele stört, die drölfzig Millionen Mücken nicht mitgezählt. Wir beschliessen gleich hier an Ort und Stelle noch einen weiteren Tag zu verbringen. Wir haben schließlich Zeit. Ausserdem muss die Wasserqualität ausgiebig getestet werden.

Am nächsten Morgen gehen wir es geruhsam an. Wir sind so schnell wie nie im Reiserhythmus angekommen. Nach Hallo-Wach-Kaffees und einem ordentlichen Frühstück geht’s ins 10 Schritte entfernte Meer. Es ist noch ein bisserl frisch aber erträglich. Der griechische Nachbar schaut kurz vorbei. Er fährt ins Dorf, ob wir etwas brauchen würden. Sehr gerne, etwas frisches Brot wäre hervorragend. Wir sind begeistert von so viel Aufmerksamkeit.

Wir verbringen den Tag zwischen Meer und dem gar nicht so kühlen Schatten und beglückwünschen uns gegenseitig für die Idee, einen fahrfreien Tag eingelegt zu haben. Es folgt eine grandiose Vollmondnacht und ein extrem ruhiges Meer. Es geht grad so!

Erste Male

Endlich geht es los. Im Februar die Fähre gebucht führen wir Wiggerl diesmal gen Südwesten nach Griechenland. Wir starten am 26. Juni gegen 10 Uhr die Maschinen und werden unser Zuhause für ungeheuerliche 9 Wochen nicht mehr sehen. Erste Male.

Unser Weg führt uns durch Österreich nach Italien. In Ancona wartet am Sonntag Abend die Fähre nach Patras auf uns. Weit kommen wir nicht. In alter Manier haben wir unser Frühstück ausfallen lassen. Was gibt es an diesem Tag also schöneres als Deutschland mit einem ordentlich bayerischen Mittagstisch „Servus“ zu sagen. Erster Stop: Maxlrain. Das hat Potential zur Tradition. Erste Male.

Über Felbertauern reisen wir weiter nach Tirol und lassen die Berge hinter uns. Nochmal ordentlich sämtliche Tanks mit Diesel wie Wasser befüllt rollen wir durch Italien. Unser Zwischenziel ist wie schon 2 Jahre zuvor Goro – ein kleines Örtchen in den Lagunen Venedigs. In unsere Pizzeria schaffen wir es nicht mehr. Macht nix – verhungern werden wir nicht.

Sonntags geht es gemütlich gegen halb11 weiter Richtung Ancona. Die Abfahrt ist für 1630 terminiert. Nach Check-in und Anstellen in der Schlange heißt es warten. Mit Hunderten anderer Camper in brütender Hitze. Die Schiffsbesatzung lässt sich Zeit. Sehr viel Zeit. Selten haben wir uns mehr nach einem kühlen Bier und einer Dusche gesehnt. Dem italienischen Naturell geschuldet verspätet sich der ganze Spass natürlich. Endlich rollen die großen Trailer LKWs neben uns los. Minuten später ist unsere Schlange dran. Wir haben uns diesmal für Camping an Board mit der „Anek“ entschieden. Im Nachhinein die überhaupt beste Entscheidung. Kein Packen für 24h auf See notwendig. Keine stickige Kabine. Stattdessen Lebensmittel aus dem eigenen Kühlschrank und schlafen im „heimischen“ Bett. Erste Male.

Die Abfahrt erfolgt eine Stunde nach veranschlagter Zeit. Um 1730 geben die Schiffsmaschinen alles um uns vom italienischen Festland nach Griechenland zu schippern. Mit einem Mythos in der Hand, einer ordentlichen Brotzeit und dem Wissen, 2 Monate unseren Traum zu leben lassen wir den Tag ausklingen. Morgen kommt Wiggerl in Griechenland zum Einsatz. Erste Male.

Das Ende von Lettland ist der Anfang von Estland

Es ist nun der 23.6. – Mittsommernacht, oder auf gut lettisch: Jāņi, das an sich wichtigste Fest des Jahres in Lettland.
Das wollen wir irgendwo im Gauja-Nationalpark verbringen, der nicht weit weg liegt von unserem herrlichen Übernachtungsplatz in Augšlīgatne. Auf dem Weg dorthin stellen wir fest, dass die meisten Autos schon mit Eichenlaub geschmückt und Frauen wie Mädchen damit beschäftigt sind, Blumen für ihre Haarkränze zu pflücken. Und so fahren wir quer durch den landschaftlich sehr schönen Gauja-Nationalpark. Aus im Nachhinein unerfindlichen Gründen sind wir nicht direkt nach Cēsis gefahren, sondern auf einem gemütlichen und gut besuchten Campingplatz nahe des kleinen Dörfchens Raiskums gelandet.
Am Abend finden wir dann Gleichgesinnte, die mit uns ins Dörfchen laufen, um dem Fest beizuwohnen. Was wir vorfanden, war dann leider recht enttäuschend:
aus einer einfachsten Musikanlage lief wenig traditionelle Musik vom Band, getanzt wurde auch kaum und ein Getränkeausschank war ebenfalls nicht vorgesehen.
Glücklich war, wer mit eigens mitgebrachtem Bier ins meterhohe Johannisfeuer starren konnte. Schade. Wir kamen mit einer etwas anderen Erwartungshaltung.
Und weil wir aus ebendiesem Grund wider Erwarten zeitig ins Bett gefallen sind und der eigentlich eingeplante Kater am nächsten Morgen auch ausbleibt, brechen wir am 24.
wieder zeitig auf und verabschieden uns langsam von Lettland. Nichtsdestotrotz ist Mittsommer eine sehr berührende Nacht und wir sind froh, sie einmal miterlebt zu haben.
Durch unberührte Natur folgen wir der Straße in die geteilte Stadt Valka/Valga, parken Wiggerl auf estnischer Seite, spazieren nochmal herum und sagen am Grenzpfahl:

Sehr schön war’s, uz redzēšanos Latvijā und Tere tulemast Eestisse!

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Von Valka setzen wir unseren Weg fort über einwandfrei geschotterte Nebenstraßen quer durchs südöstliche Estland durch die einigermaßen menschenleeren Regionen Võrumaa und Setumaa und versuchen in der sanft hügeligen Landschaft den Giganten des Baltikums auszumachen, den sage und schreibe 318m hohen Suur Munamägi (Großer Eierberg) auszumachen.

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In Saatse werfen wir einen ersten Blick auf die estnisch-russische Grenze, deren Überwachung selbst hier im Nirgendwo offensichtlich hervorragend funktioniert: innerhalb von 5 Minuten rauscht, Gott weiss woher, ein Jeep der estnischen Grenzpolizei an, die gleich mal unsere Pässe kontrollieren und fragen, was wir hier so treiben. Alles höflich, alles korrekt, alles wird protokolliert, nichts dramatisches – Estland nimmt es genau an der Schengen-Außengrenze.

Unser Tagesziel soll heissen: Peipus-See. Dort angekommen stellen wir fest, dass ein Zugang zum See aus zwei Gründen eher schwierig wird. Erstens, weil das Ufer in weiten Teilen sehr verschilft ist. Und zweitens, weil wir gleich mal lernen, was „Eravaldus“ auf deutsch heisst: Privatgrund.

Schildchen mit dieser Aufschrift prangen nämlich nahezu überall und werden selbstverständlich respektiert.

Irgendwann gegen 23 Uhr geben wir entnervt auf, einen Schlafplatz am See finden zu wollen und stellen uns in der Nähe des Dörfchens Varnja irgendwo an einem Feldweg ab. Man kann halt nicht alles haben…

Rigas Hinterland

Unser Aufenthalt in Riga gestaltet sich kürzer als gedacht. Aufgrund der fehlenden „Großstadt“ haben wir an nur einem Tag alles gesehen, was Riga zu bieten hat. Uns zieht es deshalb wieder aufs Land. Zudem steht Mittsommernacht vor der Tür. Es gilt, ein geeignetes Plätzchen zu finden, bevor die Horden aus der Stadt die ländlichen Gegenden überfluten.

Zum Abschluß haben wir uns für Riga jedoch ein besonderes Highlight aufgehoben: Der Markt in den  Zeppelinhallen an der Daugava. Die Anfahrt gestaltet sich abenteuerlich, zum Einen, weil immer wieder tiefhängende Oberleitungen der Trolleybuslinien leichten Nervenkitzel auslösen, zum anderen, weil Parken hier zur echten Herausforderung wird.

Als Wiggerl irgendwann geparkt ist schlendern wir gleich durch die verschiedenen Markthallen:  die Fischhalle, die Molkereiproduktehalle, die Fleischhalle, die Gemüsehalle.. Das Angebot ist schier unendlich und für uns ein wahres Shoppingparadies, wo wir  uns mit frischen Vorräten für die nächsten Tage reichlich eindecken.

 

 

 

 

 

 

 

Mit vollem Kühlschrank rollen wir in östliche Richtung aus der Stadt. Einen Plan haben wir für diesen Tag nicht, ein Ziel auch nicht, und so lassen wir uns einfach treiben und folgen dem Lauf der Daugava. Hat man Riga hinter sich gelassen, befindet man sich wieder in den ländlichen Weiten Lettlands, wo die Zeit öfter mal wie stehengeblieben scheint. Über Schotterstraßen fahren wir mal rechts rum, mal links rum. Irgendwo südöstlich von Madliena finden wir in einem kleinen Wäldchen die Ruine einer Kirche mit Friedhof. Und umso weiter man sich nach Hinten ins Dickicht durchschlägt, desto älter werden die Grabsteine, die von Eisenkreuzen abgelöst werden und teils noch deutsche Aufschriften zeigen. Wir mögen den etwas morbiden Charme von solch scheinbar aufgegebenen Orten.

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Am Ende der Straße landen wir in dem kleinen Dörfchen Vērene, wo wir ein wunderschönes, aber im Verfall begriffenenes altes Gutshaus vorfinden. Wir kommen mit einem jungen Pärchen ins Gespräch und die erzählen, dies sei zu Zeiten seiner Großmutter wohl noch eine Schule gewesen. Jedenfalls bieten uns die beiden an, uns durch das baufällige Gebäude zu führen, es ist abenteuerlich, aber wir haben Spaß.

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Danach führen uns die beiden noch hinters Dorf, wo der 33 Meter hohe Feuerwachturm steht, wohl nur einer von zweien in Lettland, die ein Dach haben.  Das Angebot, auf den Turm hinaufzuklettern, lehnen wir dankend ab: im Wind hört man das Knarzen der gesamten Konstruktion, und nach Aussage des Pärchens spürt man auf der Turmspitze wohl auch das Wanken des Bauwerks. So mutig sind wir dann doch nicht…

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Wir bedanken uns bei den beiden, und nachdem die Uhrzeit nun wieder etwas fortgeschitten ist, machen wir uns langsam auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. Ein paar Kilometer fahren wir noch über gemütliche ruhige Seitenstraßen und landen in Augšlīgatne, wo eine Straße direkt an den Ratnieku-See führt. Und ein weiteres Mal genießen wir hier absolute Ruhe und ein spektakuläres Farbenspiel am nächtlichen Himmel am Tag vor der Sommersonnenwende.

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Am nächsten Morgen kommt ein Einheimischer mit Angelausrüstung vorbei. Mit unseren rudimentären Russichkenntnissen entwickelt sich ein netter Plausch und der Mann packt erstmal seinen Flachmann aus – es ist noch nicht mal 10. Auch eine Möglichkeit, den Tag zu beginnen…

Alex bekommt an diesem sonnigen, aber kühlen Morgen eine Einführung ins Fliegenfischen. Nicht gerade von Erfolg gekrönt. Wir müssen uns unser Essen schon noch selbst im Supermarkt erkaufen. War wohl nix.

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Wir halten es hier noch bis zur Mittagszeit aus und brechen dann auf zu unserem Tagesziel, dem Gauja-Nationalpark, Hier wollen wir Mittsommer verbringen.

RIGA – maximal Stadt auf minimal Platz

Der Morgen begrüßt uns bedeckt und nieselig. Wie sollte es auch anders sein, schließlich planen wir eine Stadtbesichtigung, da war Sonne in den letzten Tagen/Wochen grundsätzlich aus.
Tags zuvor haben wir uns entschieden, nicht mit Taxi oder Bus in die Stadt zu fahren, sondern die 30 €uro in das Fährboot zu investieren. Fast pünktlich um 10.00 Uhr tuckert die kleine Jolle über das Wasser zum Camp Ground. Platz bietet es für etwa 15 Personen.
Die Fahrt führt uns zuerst über den großen Kanal, bevor wir in den Pilsētas Kanāls Richtung Innenstadt einbiegen. Wir sehen tolle Villen, generalüberholt, Gärten, der Rasen mit der Nagelschere geschnitten werden, Lechttürmchen, Enten, Brückendurchfahrten, Menschen in Parks. Eine Idylle und ein toller Start in den Tag.

Riga

Die Jolle entlässt uns direkt am Freiheitsboulevard mit dem Freiheitsdenkmal, das als Symbol für die nationale Souveränität Lettlands steht. Bemerkenswert ist, dass die Statue, die rund um 1935 errichtet wurde, Richtung Westen blickt. Für sowjetische Besetzer ein Unding, soll doch der Osten das Maß aller Dinge sein.

Freiheitsdenkmal Riga
Wir laufen Richtung Westen in die Innenstadt, die sich als klein und kuschlig herausstellt. Viele Restaurants und Cafes säumen die Straßen zu beiden Seiten, je zentraler desto (unverschämt) hochpreisiger werden sie. Etwas abseits gönnen wir uns ein Mittagessen und entgehen so einem heftigen Regenguß.

Wir lassen uns durch die Gäßchen treiben, uns von der Atmospähre beeindrucken. Wir wollen auf jeden Fall zum Lettischen Okkupationsmuseum, was uns allerdings vor verschloßener Tür wegen Umbau stehen lässt. Stattdessen bewundern wir die Bauten der Drei Brüder (das Gegenstück, die Drei Schwestern, sehen wir uns später in Tallin an), lassen uns vom wilden Treiben auf dem Rathausplatz mitreißen und flugs haben wir in gut einer halben Stunde die gesamte Altstadt umrundet.

Riga
Zwischenzeitlich machen wir noch einige Besorgungen und beschließen, auf jeden Fall noch das KGB Museum zu suchen. Dort soll es auch deutsche Führungen geben. Die Internetseite ist wenig aufschlußreich, weshalb wir uns auf gut Glück auf den Weg machen.
Tatsächlich ist das sogenannte „Stūra māja (Eckhaus)“ (äusserlich mittlerweile total restauriert, was dem inneren sozialistisschen Charme keinen Abbruch tut – dort wurde alles belassen) auch noch offen, allerdings verpassen wir die deutsche oder auch englische Führung um wenige Minuten. Schade, ein Blick hinter die Kulissen wäre sicherlich spannend gewesen.
Die kleine Ausstellung eröffnet aber ein schauerliches Bild, wie es im Sozialismus zugegangen sein muss. Bild und Text (in russischer und englischer Sprache) sind recht ausführlich . Das „Eckhaus“ in Riga hat eine lebhafte Geschichte als Schaltzentrale des sowjetischen KGBs. Spione und Regimegetreue gingen hier ein und aus. Politisch Verfolgte wurden verhört, gefoltert, umgebracht und von hier auch nach Sibirien deportiert. Der muffige Geruch des alten Interiors, die knarzenden Dielen und die unheimliche Stille im Haus tun ihr Übriges, um sich schnell in die damalige zeit zurückzuversetzen. Es fühlt sich ein bisschen gruselig an und wir atmen draussen vor der Tür tief durch, froh, dass sich die baltischen Staaten den sowjetischen Klauen entziehen konnten und ein freies Leben vorziehen.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz müssen wir noch die örtlichen Süßteilchen probieren und eskalieren auch hier dezent. Jedes einzelne Stückchen hat sich aber gelohnt.

Zurück auf dem Camp beschließen wir die Weiterfahrt für den nächsten Tag. Ein zweiter Tag in Riga lohnt sich für uns stadtfaulen Menschen einfach nicht mehr. Es zieht uns raus aufs Land, zu den Seen und zur weitläufigen Einsamkeit.

Auf dem Weg nach Riga

20.6.17, Tag 11 auf Tour. Nachdem wir das geschundene Sitzfleisch nun einen Tag lang erholt haben geht es weiter in Richtung Riga. Das Wetter ist schon am Morgen eher durchwachsen und nicht mehr ganz so warm, längeres Ausruhen also eher unspaßig und wir wollen ja doch weiter.

Next Stop: Jūrmala. Der Weg auf dieser Seite Kurlands ist schon nicht mehr ganz so einsam wie noch auf der Westseite, und irgendwann rollen wir bereits in den mondänen Kurort Jūrmala mit seinen prächtigen Jugendstil-Villen und mondänen Apartmenthäusern.

Begleitet werden wir von einem apokalyptischen Regenguss, der allerdings so schnell wieder aufhört, wie er eingesetzt hat, die Straßen jedoch in Kanäle verwandelt hat. Wir flanieren erst ein bisschen durchs Zentrum, wo sich alles ziemlich eindeutig auf die etwas kaufkräftige Klientel aus dem östlichen Nachbarland spezialisiert hat und wir die schlechteste Pizza aller Zeiten essen.

Vorbildlich: Katzen müssen draussen bleiben

Danach laufen wir den ewig grossen Sandstrand entlang, wo der Wind nur so pfeift und sich ein paar Verwegene bei gefühlter Temperatur von um die 13 Grad dennoch ins Wasser trauen. Es schüttelt uns beim Zuschauen.

Es täuscht: es ist stürmisch, es ist kalt, aber es ist auch Sommer!

Am Nachmittag trudeln wir langsam in Riga ein.

Wir fahren direkt zum Riverside-Camping, ein Stellplatz an der Marina, mit herrlichem Blick auf die Altstadt, wo uns allerdings auch wieder heftig der Wind um die Ohren pfeift. Und hier treffen wir sie alle wieder:

-Lothar und Martina aus dem Harz, die wir in Melnsils kennengelernt hatten

-das LandRover-Gespann, das wir in Liepaja gesehen hatten, und mit dessen Besatzung wir hier einen lustigen Abend verbringen

Sarah und Peter, die mit Fahrrädern aus Deutschland unterwegs waren, wir schon auf dem Weg nach Kap Kolka getroffen hatten und die mittlerweile aus Gründen in Riga das Baltikum und Russland abbrechen wollen und stattdessen mit der Fähre baldmöglichst nach Schweden übersetzen wollen.

Lettland mal entspannend

Am nächsten Morgen fahren wir erst einmal nach Ventspils, das uns nach Liepāja und Kuldīga aber nicht so recht gefallen will. Also verweilen wir nicht allzulange und machen uns weiter auf den Weg nach Norden. Wir folgen der Straße zum Kap Kolka, die auf Dutzenden Kilometern fast nur geradeaus und durch menschenleere Wälder führt. Wer Einsamkeit sucht muss also nicht erst zum Polarkreis. 

In Nähe zum Kap verlassen wir die Hauptstraße und biegen in Richtung Meer ab zum livischen Fischerdorf Košrags. Wiggerl müssen wir am Ortsrand stehen lassen und schnappen uns mal wieder unsere Roller, mit denen wir an den süßen Holzhäuschen vorbei bis zur Düne rollern, die das Dorf vom Strand trennt. Was wir hier vorfinden: einen kilometerlangen Strand mit dem feinsten Puderzuckersand, einer Ostsee die hier tatsächlich mal wie Meer und weniger nach See aussieht und nahezu keine Menschenseele. Und wir so: wooooowww…. Wie wundervoll die Ostsee sein kann hätten wir uns oft nicht träumen lassen.

Ostsee mit Karibikstrand

Danach geht’s weiter zum Kap Kolka, das nun allerdings deutlich weniger prätentiös ausschaut, als man zunächst vermutet hätte. Dafür ist hier die Hölle los. Wir stellten uns meterhohe Wellen vor mit viel Getöse und Wasserspritzen und haste nicht gesehen. Dabei gab es einen 3€ teuren Parkplatz (für eine Stunde), ein einigermassen hübsch angelegter Weg zum Strand, einen Steinhaufen, viel Wasser und so gut wie nix von jenem Naturentertainment aus unserer Vorstellung. Ja, ganz nett, aber brauchts nicht unbedingt. Also: Kap Hallo sagen, wieder aufsitzen, weiterfahren in Richtung Riga.  

Weit kommen wir jedoch nicht. Nach einigen Kilometern finden wir links der Straße direkt am Strand den Campingplatz Melnsils. Schön gelegen, nicht viel los, das Wetter passt… 

Die Entscheidung fällt schnell: wir beenden den Fahrtag heute mal vorzeitig. Und legen danach endlich einen fahrfreien Tag ein, den ersten seit Abreise und 2.600 gefahrenen Kilometern. Hier kann man es aushalten und „a bisserl“ Urlaub soll es ja schon auch sein.

Hier verbringen wir die Abende mit einer 3köpfigen Familie aus Riga, die uns viel Wissenwertes zum Baltikum erzählen und mit Martina und Lothar und ihrem gar nicht wasserscheuen Hund aus dem Oberharz,  die sich den Sommer über das Baltikum sowie Skandinavien ansehen. 

Es geht grad so.

Lettland, Land der Impressionen 

17.6., wir kommen morgens mal wieder gar nicht in die Gänge. Nachdem es hier in Lettland abends bereits so hell ist, dass man um Mitternacht noch bequem Zeitung lessen kann, ist unsere innere Uhr völlig hinüber. 

Also, Aufbruch in Pape erst irgendwann kurz nach halb zwölf Mittags, Ziel Liepāja, wo wir keine Stunde später schon im Zentrum sind und einen praktischen Parkplatz finden, direkt vor einem LandRover mit Münchner Nummer und Wohnanhänger.

Wir schlendern gemütlich in Richtung Innenstadt und kommen direkt an einer evangelischen Kirche vorbei, wo wir  uns über knapp 200 Stufen auf den Kirchturm mühen, vorbei am über 100 Jahre alten Uhrwerk und auf den Aussichtsbalkon, wo sich eine spektakuläre Ansicht auf die gemütliche Stadt auftut. 

Unser Rundgang führt uns weiter durchs Zentrum, wo noch viel alte Architektur vorzufinden ist und immer wieder laden Straßencafés zum Verweilen ein. Da das Wetter nun endlich auch mal mitspielt herrscht reges Leben auf den Straßen. Nett ist es hier. Zwischendurch begegnen wir einem kleinen Umzug von Trachtengruppen aus den unterschiedlichsten Regionen Lettland, ein farbenfrohes und kunstvolles Schauspiel. 

Auf dem Rückweg zu Wiggerl kommen wir noch am neuen Opernhaus vorbei, das einen Bernstein symbolisieren soll. Was für eine Architektur! 

Wir verlassen das Zentrum in den Norden der Stadt und kommen nach Karosta, die alte sowjetische Militärstadt, die uns mit ihren linear grauen und mittlerweile leicht heruntergekommenen Bauten begrüßt.

Mittendrin: eine gigantische russisch – orthodoxe Kathedrale, innen äußerst aufwendig gestaltet mit zig Ikonen und außen voller Dominanz über Karosta, und mit einem Glockenspiel, das wir rechtzeitig noch bestaunen können. In der Kirche: haufenweise ältere Damen zum Beten. Ja, unter Lettlands Russen spielt der Glaube noch eine gewichtige Rolle.

Im Norden Karostas kommen wir an den Strand der alten russischen Militärforts, die mittlerweile halb im Meer versinken und eine skurrile Kulisse für Tagesausflüger und Hochzeitsfotografen bieten. 

Dann verlassen wir die Ostseeküste vorerst und fahren nach Kuldīga. Unser Garmin navigiert uns auf der kürzesten Strecke fast komplett über Schotterstraßen, die allesamt in hervorragendem Zustand sind und offensichtlich regelmäßig planiert und frisch geschottert werden. Und so geht es mit den erlaubten Tempo 70, im Rückspiegel immer eine  gigantische Staubfahne, durch die Landschaft, wo sich immer wieder Wälder mit Feldern und Wildblumenwiesen abwechseln und man nur noch an kleinsten Dörfern vorbeikommt. Und omnipräsent: die Störche, mal in ihren Nestern, mal in der frisch gemähten Wiese. Was für ein Idyll.

Wir erreichen Kuldīga am frühen Abend, also rechtzeitig, um das kleine Städtchen noch zu erkunden. Der Ort macht auf Anhieb einen einladenden und gemütlichen Eindruck. In den Straßen herrscht fast schon mediterranes Treiben, und wir flanieren gemütlich vorbei an den Stromschnellen der Venta (angeblich die breitesten Europas) und der schönen Backsteinbrücke (angeblich die längste Europas), liebevoll gepflegten Parkanlagen und vielen restaurierten alten Häusern, davon zahlreiche aus Holz. Vor allem weil die Häuser hier eher klein sind wirkt das Stadtbild zwar ganz anders als im sehr deutsch wirkenden Liepāja, aber urgemütlich. Gar keine Frage, hier gefällts uns. 

Es geht schon auf späten Abend zu bis wir Kuldīga verlassen und finden ein paar Kilometer weiter nahe des Dorfes Padure einen kleinen See, wo wir die Nacht perfekt verbringen können, trotz Zilliarden Moskitos. Hier entdecken wir dann auch endlich mal den Vorteil eines begehbaren Dachs, und Wiggerl wird zu unserer Rooftop-Bar. Ein kühles Bierchen mit Blick auf See und Sonnenuntergang um Mitternacht.

Was Unmengen an Eindrücken an nur einem Tag. Wow, Lettland.