Auf dem Weg nach Riga

20.6.17, Tag 11 auf Tour. Nachdem wir das geschundene Sitzfleisch nun einen Tag lang erholt haben geht es weiter in Richtung Riga. Das Wetter ist schon am Morgen eher durchwachsen und nicht mehr ganz so warm, längeres Ausruhen also eher unspaßig und wir wollen ja doch weiter.

Next Stop: Jūrmala. Der Weg auf dieser Seite Kurlands ist schon nicht mehr ganz so einsam wie noch auf der Westseite, und irgendwann rollen wir bereits in den mondänen Kurort Jūrmala mit seinen prächtigen Jugendstil-Villen und mondänen Apartmenthäusern. 

Begleitet werden wir von einem apokalyptischen Regenguss, der allerdings so schnell wieder aufhört, wie er eingesetzt hat, die Straßen jedoch in Kanäle verwandelt hat. Wir flanieren erst ein bisschen durchs Zentrum, wo sich alles ziemlich eindeutig auf die etwas kaufkräftige Klientel aus dem östlichen Nachbarland spezialisiert hat und wir die schlechteste Pizza aller Zeiten essen. 

Vorbildlich: Katzen müssen draussen bleiben

Danach laufen wir den ewig grossen Sandstrand entlang, wo der Wind nur so pfeift und sich ein paar Verwegene bei gefühlter Temperatur von um die 13 Grad dennoch ins Wasser trauen. Es schüttelt uns beim Zuschauen.

Es täuscht: es ist stürmisch, es ist kalt, aber es ist auch Sommer!

Am Nachmittag trudeln wir langsam in Riga ein. 

Wir fahren direkt zum Riverside-Camping, ein Stellplatz an der Marina, mit herrlichem Blick auf die Altstadt, wo uns allerdings auch wieder heftig der Wind um die Ohren pfeift. Und hier treffen wir sie alle wieder:

-Lothar und Martina aus dem Harz, die wir in Melnsils kennengelernt hatten

-das LandRover-Gespann, das wir in Liepaja gesehen hatten, und mit dessen Besatzung wir hier einen lustigen Abend verbringen

Sarah und Peter, die mit Fahrrädern aus Deutschland unterwegs waren, wir schon auf dem Weg nach Kap Kolka getroffen hatten und die mittlerweile aus Gründen in Riga das Baltikum und Russland abbrechen wollen und stattdessen mit der Fähre baldmöglichst nach Schweden übersetzen wollen.

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Lettland mal entspannend

Am nächsten Morgen fahren wir erst einmal nach Ventspils, das uns nach Liepāja und Kuldīga aber nicht so recht gefallen will. Also verweilen wir nicht allzulange und machen uns weiter auf den Weg nach Norden. Wir folgen der Straße zum Kap Kolka, die auf Dutzenden Kilometern fast nur geradeaus und durch menschenleere Wälder führt. Wer Einsamkeit sucht muss also nicht erst zum Polarkreis. 

In Nähe zum Kap verlassen wir die Hauptstraße und biegen in Richtung Meer ab zum livischen Fischerdorf Košrags. Wiggerl müssen wir am Ortsrand stehen lassen und schnappen uns mal wieder unsere Roller, mit denen wir an den süßen Holzhäuschen vorbei bis zur Düne rollern, die das Dorf vom Strand trennt. Was wir hier vorfinden: einen kilometerlangen Strand mit dem feinsten Puderzuckersand, einer Ostsee die hier tatsächlich mal wie Meer und weniger nach See aussieht und nahezu keine Menschenseele. Und wir so: wooooowww…. Wie wundervoll die Ostsee sein kann hätten wir uns oft nicht träumen lassen.

Ostsee mit Karibikstrand

Danach geht’s weiter zum Kap Kolka, das nun allerdings deutlich weniger prätentiös ausschaut, als man zunächst vermutet hätte. Dafür ist hier die Hölle los. Wir stellten uns meterhohe Wellen vor mit viel Getöse und Wasserspritzen und haste nicht gesehen. Dabei gab es einen 3€ teuren Parkplatz (für eine Stunde), ein einigermassen hübsch angelegter Weg zum Strand, einen Steinhaufen, viel Wasser und so gut wie nix von jenem Naturentertainment aus unserer Vorstellung. Ja, ganz nett, aber brauchts nicht unbedingt. Also: Kap Hallo sagen, wieder aufsitzen, weiterfahren in Richtung Riga.  

Weit kommen wir jedoch nicht. Nach einigen Kilometern finden wir links der Straße direkt am Strand den Campingplatz Melnsils. Schön gelegen, nicht viel los, das Wetter passt… 

Die Entscheidung fällt schnell: wir beenden den Fahrtag heute mal vorzeitig. Und legen danach endlich einen fahrfreien Tag ein, den ersten seit Abreise und 2.600 gefahrenen Kilometern. Hier kann man es aushalten und „a bisserl“ Urlaub soll es ja schon auch sein.

Hier verbringen wir die Abende mit einer 3köpfigen Familie aus Riga, die uns viel Wissenwertes zum Baltikum erzählen und mit Martina und Lothar und ihrem gar nicht wasserscheuen Hund aus dem Oberharz,  die sich den Sommer über das Baltikum sowie Skandinavien ansehen. 

Es geht grad so.

Lettland, Land der Impressionen 

17.6., wir kommen morgens mal wieder gar nicht in die Gänge. Nachdem es hier in Lettland abends bereits so hell ist, dass man um Mitternacht noch bequem Zeitung lessen kann, ist unsere innere Uhr völlig hinüber. 

Also, Aufbruch in Pape erst irgendwann kurz nach halb zwölf Mittags, Ziel Liepāja, wo wir keine Stunde später schon im Zentrum sind und einen praktischen Parkplatz finden, direkt vor einem LandRover mit Münchner Nummer und Wohnanhänger.

Wir schlendern gemütlich in Richtung Innenstadt und kommen direkt an einer evangelischen Kirche vorbei, wo wir  uns über knapp 200 Stufen auf den Kirchturm mühen, vorbei am über 100 Jahre alten Uhrwerk und auf den Aussichtsbalkon, wo sich eine spektakuläre Ansicht auf die gemütliche Stadt auftut. 

Unser Rundgang führt uns weiter durchs Zentrum, wo noch viel alte Architektur vorzufinden ist und immer wieder laden Straßencafés zum Verweilen ein. Da das Wetter nun endlich auch mal mitspielt herrscht reges Leben auf den Straßen. Nett ist es hier. Zwischendurch begegnen wir einem kleinen Umzug von Trachtengruppen aus den unterschiedlichsten Regionen Lettland, ein farbenfrohes und kunstvolles Schauspiel. 

Auf dem Rückweg zu Wiggerl kommen wir noch am neuen Opernhaus vorbei, das einen Bernstein symbolisieren soll. Was für eine Architektur! 

Wir verlassen das Zentrum in den Norden der Stadt und kommen nach Karosta, die alte sowjetische Militärstadt, die uns mit ihren linear grauen und mittlerweile leicht heruntergekommenen Bauten begrüßt.

Mittendrin: eine gigantische russisch – orthodoxe Kathedrale, innen äußerst aufwendig gestaltet mit zig Ikonen und außen voller Dominanz über Karosta, und mit einem Glockenspiel, das wir rechtzeitig noch bestaunen können. In der Kirche: haufenweise ältere Damen zum Beten. Ja, unter Lettlands Russen spielt der Glaube noch eine gewichtige Rolle.

Im Norden Karostas kommen wir an den Strand der alten russischen Militärforts, die mittlerweile halb im Meer versinken und eine skurrile Kulisse für Tagesausflüger und Hochzeitsfotografen bieten. 

Dann verlassen wir die Ostseeküste vorerst und fahren nach Kuldīga. Unser Garmin navigiert uns auf der kürzesten Strecke fast komplett über Schotterstraßen, die allesamt in hervorragendem Zustand sind und offensichtlich regelmäßig planiert und frisch geschottert werden. Und so geht es mit den erlaubten Tempo 70, im Rückspiegel immer eine  gigantische Staubfahne, durch die Landschaft, wo sich immer wieder Wälder mit Feldern und Wildblumenwiesen abwechseln und man nur noch an kleinsten Dörfern vorbeikommt. Und omnipräsent: die Störche, mal in ihren Nestern, mal in der frisch gemähten Wiese. Was für ein Idyll.

Wir erreichen Kuldīga am frühen Abend, also rechtzeitig, um das kleine Städtchen noch zu erkunden. Der Ort macht auf Anhieb einen einladenden und gemütlichen Eindruck. In den Straßen herrscht fast schon mediterranes Treiben, und wir flanieren gemütlich vorbei an den Stromschnellen der Venta (angeblich die breitesten Europas) und der schönen Backsteinbrücke (angeblich die längste Europas), liebevoll gepflegten Parkanlagen und vielen restaurierten alten Häusern, davon zahlreiche aus Holz. Vor allem weil die Häuser hier eher klein sind wirkt das Stadtbild zwar ganz anders als im sehr deutsch wirkenden Liepāja, aber urgemütlich. Gar keine Frage, hier gefällts uns. 

Es geht schon auf späten Abend zu bis wir Kuldīga verlassen und finden ein paar Kilometer weiter nahe des Dorfes Padure einen kleinen See, wo wir die Nacht perfekt verbringen können, trotz Zilliarden Moskitos. Hier entdecken wir dann auch endlich mal den Vorteil eines begehbaren Dachs, und Wiggerl wird zu unserer Rooftop-Bar. Ein kühles Bierchen mit Blick auf See und Sonnenuntergang um Mitternacht.

Was Unmengen an Eindrücken an nur einem Tag. Wow, Lettland. 

An der Ostseeküste nach Lettland

Freitag, 16.6., eine Woche auf Tour.

Der äußerst freundliche und hilfsbereite Besitzer des Campingplatz in Karkle überbringt uns gleich am Morgen die Adresse einer Werkstatt in Klaipeda, nachdem wir am Vorabend festgestellt haben, dass unser sanierungsbedürftiger Auspuff am Steyr eben doch nicht mehr dieses Jahr noch hält, sondern genau hier im Baltikum auf Schotterstraßen seinen nahenden Exitus ankündigt, und zwar durch einen sauberen Riss im Flammrohr genau vor der Staudruckbremse. Das führt dazu, dass unser Wiggerl röhrt wie ein brünftiger Elch.

Also next stop: Klaipeda, Werkstatt, Auspuff schweissen lassen. Bis wir die Werkstatt finden dauert es erstmal eine Ewigkeit, weil unser Navi die Straße zwar findet, die Hausnummer aber nicht. Irgendwann stehen wir in einem sowjetischen Charme versprühenden Hinterhof, wo wir dann auch die Werkstatt finden. Mit ein paar Brocken Russisch machen wir uns verständlich. Ob man das schweissen kann? „Choroscho nje budjet“ – gescheit wird’s halt nicht. Soll ja auch nur temporär sein. 

Danach: weiter ins Stadtzentrum Klaipeda, wo wir nicht allzulange verweilen, überwiegend über den Markt schlendern, einkaufen. Allzu reizvoll ist Klaipeda nicht. 

Und dann fahren wir nach Norden, immer hart an der Ostseeküste entlang. Wir verabschieden uns von Litauen und begrüßen jetzt richtig Lettland. Erster markanter Unterschied: die Hauptstraße ist hier eine halbe Katastrophe. In Litauen noch babypoglatter Asphalt, hier eine entsetzliche Schlaglochpiste. Am frühen Abend erreichen wir einen Campingplatz direkt am Meer im Nationalpark Pape. Und leider schlägt das Wetter direkt wieder um, und es regnet. Trotzdem: ein ausgedehnter Strandspaziergang muss sein. Und hier sieht der Strand gleich viel schöner aus als in Litauen. 

 

Litauen westwärts

Mittwoch, 14.6.: Unseren netten Schlafplatz bei Ginučiai verlassen wir einigermaßen zeitig am Morgen. Das Wetter bessert sich allmählich und wir rollen auf Schotterstraßen nordwestlich durch den Aukštaitija Nationalpark. Die Dörfer durch die wir hier kommen sind völlig ab vom Schuss, und Menschen sieht man eigentlich auch keine. Dabei sind die niedlichen Holzhäuser hier bestens gepflegt, und akkurat gemähte Rasen und gestutzte Hecken lassen keinen Zweifel, dass hier jemand wohnt.

In Utena treffen wir wieder auf die Hauptstraße und fahren bis hinter Biržai wo wir den Asphalt wieder verlassen und auf Schotterstraßen einen ersten Abstecher nach Lettland machen.

Etappenziel: das Schloss Rundāle. Wir nehmen uns einige Zeit für die Besichtigung des traumhaften und schön restaurierten Barockschloss samt Park und sind schon ganz begeistert.

Von dort geht es wieder zurück nach Litauen auf der Hauptstraße in Richtung Šiauliai zum Berg der Kreuze. Diesen wollen wir allerdings erst am nächsten Tag anschauen und finden einen Stellplatz für die Nacht direkt in der Nähe beim Motel Girele. Und hier werden wir nicht enttäuscht: im angeschlossenen Restaurant bekommen wir endlich Cepelinai zu essen, und diese schmecken auch noch hervorragend. Wir sind mit Litauen versöhnt.


Am nächsten Morgen dann ab zum Berg der Kreuze, dieser leicht morbide Ort mit seinen zigtausend Kreuzen mit Inschriften in allen möglichen Sprachen und Größen. Papst Paul Johannes der II hat hier sogar schon eine Messe abgehalten.

Von hier geht unser Weg jetzt westwärts in Richtung Ostsee, das Wetter passt auch, und die Landschaft entlang der Straße von Šiauliai nach Palanga ist auch ein wenig abwechslungsreich. Irgendwo zwischendrin sehen wir dann auch jenseits eines Felds unseren ersten Elch einen Feldweg hinunterrennen. Wie hat der sich denn wohl dahin verirrt? 

Zwischendurch noch die Raketenbasis in Plungė. Hier, wo zu Hochzeiten des Kalten Krieges sowjetische Atomraketen auf Westeuropa gerichtet waren schlendern wir per Audioguide durch die unterirdischen Anlagen. Das Raketensilo als Höhepunkt der Besichtigung jagt einem immer noch einen Schrecken ein.

Am Abend erreichen wir dann tatsächlich die Ostseeküste. Leider sieht man sie fast nie, weil sie sich immer hinter kleinen Wäldern versteckt, also beziehen wir Lager auf einem Campingplatz in Karkle, wo zwar nicht viele geboten ist, wir aber gleich mal einen ausgiebigen Strandspaziergang machen und sogar gleich einen kleinen Bernstein finden. Am besten wäre es, man würde das ganze Bernsteinzimmer finden… Das haben wohl schon viele gedacht und so begegnet man entlang der Wasserkante einige Gleichgesinnte, die im Sand stochern auf der Suche nach dem grossen Glück.

Litauen – vom Regen in noch mehr Regen

Dienstag, 13.6., Tag 5 on tour. Und der Tag beginnt so, wie uns Litauen am Vorabend begrüsst hat. Mit Regen und viel Wind bei irgendwas um 15 Grad. Brrr. Braucht doch kein Mensch so ein Siffwetter im Juni.
A propos Vorabend: Wir waren ja noch Essen, in einem Restaurant mit echt litauischer Küche. Was ein „grandioser“ Einstieg in das Land. Beim bestellen schon: Alex bestellt Cepelinai, DAS litauische Gericht schlechthin, auf das er sich schon sooo gefreut hatte. Bedienung kommt irgendwann zurück: „You can’t have Cepelinai!“ Kein sorry, kein sonstwas. Okayyy… Also was anderes bestellt. Irgendwann kam Kathrins Vorspeisensuppe. Die Vorspeise von Alex kam auch nicht, als Kathrins Vorspeisenteller schon wieder abgeräumt wurde. Irgendwann kam auch Kathrins Hauptspeise. Alex zur Bedienung: „Umm, well, I had ordered the appetizer plate?“ Bedienung: “ You have to wait.“
Alex schon sichtlich angenervt geantwortet, dass er den Appetizer dann auch nicht mehr braucht. Irgendwann kam auch Alex Hauptspeise, geschmacklich zwar okay, aber das Fleisch völlig trocken. Und dann noch das Bier (Volfas Engelman), das man als alles bezeichnen kann, aber nicht als Bier. Selbst ein amerikanisches Bud Light schmeckt mehr nach Bier.
Litauen war also bereits am ersten Abend dabei, bei uns völlig unten durch zu sein. weil wenn’s ums Essen geht, dann hört der Spass auf.

Also: Dienstag morgen halb neun, wir machen uns auf den kurzen Fussweg zur Wasserburg Trakai, die für uns eines der Highlights in Litauen sein sollte. An der Burg angekommen stellen wir fest, dass diese leider erst um 10 öffnet und nicht, wie uns der Hinterhofbesitzer erklärt hatte um neun. Na toll. Eine Stunde sinnlos rumgammeln. Und nirgends hat auch nur irgendwas geöffnet, wo man wenigstens mal einen Kaffee trinken könnte.
Aaaah! Wenn’s um Kaffee geht, dann hört der Spass auf.

Nun gut, also eine Stunde bei Nieselregen umherspaziert, bis die Burg öffnet. Die allerdings hat sich wirklich gelohnt, trotz Busladungen Krethi und Plethi aus Tauberbischofsheim (oder so).

Gegen Mittag dann, Weiterfahrt in die nahegelegenen Hauptstadt Wilna. Erstmal möglichst in die Stadt rein und zentrumsnah einen Parkplatz finden. Was mit so einem Fahrzeug naturgemäß nicht ganz so leicht ist, aber in Wilna anscheinend leichter, als die fällige Parkgebühr zu zahlen. Letzteres ist für Ausländer nämlich anscheinend schlicht unmöglich, wo kein Parkscheinautomat mehr steht, sondern nur noch per Mobiltelefon bezahlt werden kann. Selbst über die App konnten wir nicht bezahlen. Einen Strafzettel hatten wir hinterher zumindest nicht an der Scheibe, immerhin.
Bei unserer Stadtbesichtigung kamen erstmals unsere dollen neuen Hudora-Roller zum Einsatz, so dass wir in fünf Stunden die Innenstadt gemütlich durchrollert haben. Wilna selbst: Es ist schon irgendwie nett und stellenweise ganz hübsch. Dringend gesehen haben muss man es wohl nicht, aber es ist eine gemütliche Stadt mit schönen Kirchen, ausreichend Kneipen, und im Lebenskünstler-Viertel „Republik Užupis“ (übrigens mit eigener Verfassung) bekommen wir erstmals gutes Bier Švyturys Ekstra“. Richtig gutes Bier sogar. Litauen stimmt uns langsam etwas versöhnlicher.

Wir verlassen Wilna um 18 Uhr im schlimmsten Rush Hour-Verkehr in Richtung Norden, wir wollen auf jeden Fall wieder irgendwo in der Natur übernachten. Und weil es hier abends schon merklich länger hell ist als bei uns, ist unser Rhythmus bereits am zweiten Abend völlig aus dem Ruder. Also fahren wir eine ganze Weile bis Moletai und verlassen dann die Haupstrasse nach Osten in den Aukštaitija Nationalpark, wo wir wieder in einer völlig naturbelassenen Landschaft aus Seen zwischen kleinen Hügeln landen. 

An einem grösseren See bei Ginučiai finden wir wieder einen angenehmen Schlafplatz und zur Abwechslung schüttet es mal wieder wie aus Eimern.

Wieder eine Nacht mit Heizung.

Einmal quer durch Polen… Teil 2

Am Sonntag morgen mit ordentlich Schädel vom Vorabend brechen wir in Bydgoszcz auf, immer Kurs Ost-Nordost auf der gut ausgebauten Hauptstrasse in Richtung Danzig, die wir in Grudziądz nach Olsztyn verlassen. 

Und rapide ändert sich die Landschaft. Die Straße mäandert durch sanfte Hügellandschaften, Felder wechseln jetzt mit endlosen Wiesen und Weiden, und nur selten liegen kleine Dörfer links und rechts der Straße. Und wo man durch Dörfer kommt, scheint die Zeit ein bisschen stehengeblieben zu sein. So tingeln wir durch West- und Ostpreußen und kommen gar nicht so richtig voran. In Mrągowo erreichen wir dann richtig die Masuren und verlassen die Hauptstrasse nach links in Richtung Giżycko durch die typisch masurische Seenlandschaft. Was uns jetzt schon auffällt: immer wieder weisen auf der Strasse Hinweisschilder auf Zelt- und Picknickplätze abseits der Strasse. Eigentlich eine zu schöne Gegend, um hier einfach nur durchzuheizen.
Kurz vor Giżycko biegen wir nach rechts ab und folgen der Strasse über Wilkasy am Niegocin-See entlang. Kurz hinter Bogaczewo fällt uns schon wieder ein Hinweisschild mit Zeltplatz auf. Wir schauen auf einen kleinen schmalen Waldweg, der mitten durch die dichten Bäume führt. Aus reiner Neugier wollten wir mal schauen, also rein den Waldweg, wieder ein paar Kratzer mehr am Aufbau, und nach ein paar hundert Metern stehen wir mitten im Wald direkt am Seeufer auf einem niedlich hergerrichteten Zeltplatz. Die Entscheidung fällt in Sekunden:
Nix mit Litauen heute. Morgen Litauen. Heute: chillen am See. Was für eine Perle von Stellplatz. Und während wir gemütlich auf dem Steg auf unseren Stühlen ein kühles Blondes trinken, nagt direkt nebenan ein Biber-Paar am frisch gefällten Baum. Was für eine Natur hier. Das Waldkautzpärchen und ein kleines Lagerfeuerchen runden den Besuch ab.

Am nächsten Morgen dauert der Aufbruch dann auch mal wieder etwas länger, weil es hier so schön ist. Irgendwann drängt die Zeit halt aber doch, und wir fahren weiter nach Olecko, von dort in Richtung Goldap. Irgendwo hinter Olecko fahren wir durch eine der für Polen typischen Alleen, vor uns ein Gütersloher Wohnmobil, dem wir gemütlich mit den erlaubten 70 hinterherfahren. Uns überholen einige Fahrzeuge, und irgendwann sieht Alex einen roten Renault Laguna, der uns gerade überholt hat, weiter vorne schlingern. Alex sagt noch: „Was zur Hölle macht der da??“ Bis sich irgendwann nur eine Dampf-und Rauchwolke auftut. Und während wir etwas langsamer weiterrollen und sich der Rauch verzieht sehen wir ein paar Meter weiter einen zerfetzten Laguna mitten auf der Strasse stehen. Vollbremsung. Warnblinker. Alex wie vom Blitz getroffen aus dem Laster rausgesprungen und zum Unfallfahrzeug gerannt. Vorbei an einem rauchenden Motorblock, der im Graben lag über ein wahres Trümmerfeld.
Als Alex das Unfallfahrzeug erreicht ist der jüngere unverletzte Fahrer schon am Handy. Der ältere Beifahrer ist sichtlich schwer verletzt und eingeklemmt, die erste Hilfe beschränkt sich darauf, ihn möglichst gar nicht zu bewegen und Blickkontakt zu halten. Wir rechnen mit dem Schlimmsten. Nach 10 Minuten traf schon die Feuerwehr ein, um den Beifahrer aus dem Auto zu schneiden. Wir warten nich bis zum Eintreffen der Polizei, die uns dann aber auch entlässt, und wir verlassen die Szenerie selbst halb unter Schock.
So sieht es also aus, wenn jemand in der Allee mit Tempo 100 frontal in einen Baum fährt. Für über eine Stunde herrscht bei uns im Fahrerhaus betretene Stille.
Erst als wir unser nächstes Ziel erreichen entspannt sich die Stimmung bei uns wieder etwas. Heftig, aber das bleibt wohl nicht aus, wenn man, so wie wir, zigtausende Kilometer auf Europas Strassen unterwegs ist.

Ab Goldap sind wir mehr oder weniger parallel zur russichen Grenze nach Kaliningrad gefolgt. Am Dreiländereck Polen-Russland-Litauen parken wir und spazieren zum Monument, das man, und hier sind die Hinweisschilder eindeutig, auf gar keinen Fall umrunden darf. Die 2 Meter Russland sind tabu, und die russische Kamera am Grenzzaun schaut auch direkt hin. Ein skurriler Ort.

Nach einigen Kilometern haben wir es fast geschafft, wir stehen an der polnisch-litauischen Grenze in Budzisko und müssen eine letzte Hürde überwinden. Nämlich die Rückgabe unserer ViaToll-Box. Das erweist sich nochmal als Gerenne quer über eine quasi-Autobahn, weil ViaToll-Schalter -natürlich- nur auf Seite der polnischen Einreise, nicht aber Ausreise sind. Und die Rückgabe erfolgt in einem dunklen Einzelbüro, etwas unkomplizierter als die Box zu bekommen, dafür aber mit dem Charme einer Grenzabfertigung zur DDR 1988.

Zwischenzeitlich hat es angfangen zu schütten wie aus Eimern, und so begrüsst uns Litauen: verregnet, trist, brutaler LKW-Verkehr bis Marijampolė, dafür aber auf einer tiptop Strasse. An der Grenze haben wir die Uhren eine Stunde vorgestellt, bis wir unser Etappenziel Trakai erreichen ist es 8 Uhr abends. Als Stellplatz entscheiden wir uns für einen Innenhof nicht weit von der Wasserburg für 10 EUR. Passt.


Etappe 1 geschafft. Nach dreinhalb Tagen on tour und 1448km ab Oberpfalz.

Einmal quer durch Polen… Teil 1

Freitag, 9.6.: Wir fahren diesesmal nicht ab München los, sondern aus organisatorischen Gründen diesesmal ab der nördlichen Oberpfalz, was sich schon deshalb ganz gut trifft, weil es ohnehin auf der Route liegt.
Die geplante Abfahrt um 18 Uhr verschiebt sich bei uns fast schon traditionell auf eine Stunde später. Ohne Abschieds-Weissbier ging es halt doch nicht.
Und so führt uns der Weg relativ zügig von Bayreuth auf der Autobahn über Hof, Plauen, Chemnitz an Dresden vorbei in Richtung Görlitz – eine Gegend, die für uns unbekannter ist als weite Teile Italiens.
Gegen Mitternacht erreichen wir dann die Oberlausitz, wo der erste halbe Fahrtag auch zu Ende sein soll, und verlassen in Bautzen die Autobahn. Wir fahren nach Löbau, wo wir mitten im Zentrum einen gemütlichen Parkplatz finden. In der Zwischenzeit giesst es leider auch schon in Strömen, hatten wir die Oberpfalz noch bei schönstem Sommerwetter verlassen haben.
Und wie wir es uns in der Hütte gemütlich machen stellen wir fest: verdammt, das Klo geht nicht mehr. Super. Vermaledeite Elektrik.
Bei unserer tollen modernen Bootskeramik tut sich beim Druck auf die Spültaste rein gar nichts. Boah. Ist nicht wahr jetzt, oder? Also Fehlersuche auf den nächsten Morgen vertagen, Laune angeschlagen. Geht ja gut los.

Am nächsten Morgen die grosse Fehlersuche, leider erfolglos. Also vorsichtshalber schonmal im Serviceverzeichnis von Dometic nachgeschlagen, wo in Polen oder Litauen ein Kundendienst zu finden ist. Mega. Nur einmal in Urlaub fahren ohne erstmal eine Werkstatt suchen zu müssen… wär das schön.

Somit erstmal Fahrt fortgesetzt, und schon rollen wir auf der Autobahn nach Polen rein. Die Erwartung, auf polnischer Seite eine Raststätte oder irgendwas zu finden, wo wir uns die obligatorische ViaToll-Box für die Maut zulegen können wird leider enttäuscht. Dafür steht schon gleich die erste Mautbrücke. Fuuuuuck….

Also erste Ausfahrt runter von der Autobahn in der Hoffnung, ohne Strafzettel davonzukommen und an der zweiten Tankstelle dann auch endlich fündig geworden. Was in Österreich mit der GoBox, also dem gleichen Mautsystem, keine 5 Minuten dauert, entpuppt sich hier als 15minütige Papierschlacht. Am Ende kommt ein mehrseitiger Vertrag aus dem Drucker, den man auf der vorletzten Seite gleich fünf (!!!) Mal unterschreiben darf. Der grinsende und leicht ironische Kommentar der Verkäuferin zu unserem leicht ungläubigen Blick: „Welcome to Poland.“

Na dann. Jedenfalls setzen wir den Weg jetzt fort, zwar immer noch ohne Klo (das hört sich vielleicht lustig an ist aber im Notfall echt… nunja, scheiße halt), aber dafür mit ViaToll-Box, und rollen so durch sie ländlichen Gebiete Polens über Glogau, Leszno und Posen. Gegen halb1 übermannt uns doch der Frühstückshunger. Dabei gilt zu erwähnen, dass es entlang Polens Straßen ständig kleine Bierkneipchen gibt, die gern auch mit deftigen Gerichten aufwarten. So ein Schaschlik zum Frühstück hält dann auch ein bisschen her. Zum Nachtisch noch 2 Kilo Erdbeeren für keine 2€, da kannste nicht meckern.

Am frühen Abend erreichen wir Bydgoszcz, wo wir Freunde besuchen. Praktischerweise ist ein bewachter Parkplatz direkt um die Ecke, auf dem wir mitten im Zentrum von Bydgoszcz nach einem durchzechten Abend im Laster schlafen.
Als wir dann irgendwann in der Nacht, beide mit ordentlich Schlagseite, zum Laster zurückkehren, wollen wir sicherheitshalber doch noch den Gaswarner einschalten. Sicher ist sicher, bewachter Parkplatz hin oder her.
Also Gaswarner in die 24V-Steckdose rein – geht nicht.
Zefiiiix, das kann dich jetzt nicht wahr sein. Geht jetzt alles gleichzeitig kaputt oder was??
Also nochmal Kopf in den Elektrikkasten gesteckt. Hm: die Absicherung der 24V-Steckdosen klemmt auf der gleichen Leiste wie die Absicherung der Toilettenpumpe. Das kann doch jetzt kein Zufall sein…
Und justament fällt der Blick auf die drei Sicherungen, die uns unser Elektriker noch zusätzlich eingebaut hat, die nirgends dokumentiert sindm und deren Sinn wir schon wieder vergessen haben (wir sind uns aber sicher, sie hatten einen). Also einfach mal die Sicherungen durchklickt und siehe da, schon geht wieder alles. Magisch. Tadaaaa – vor Jubel erstmal …. nun gut … Dings halt.

Eine Lösung, die so einfach ist, dass man sie erst mit 1,5 Promille findet. Unfassbar.

Abreise t -3 Tage: 1x Baltikum und zurück

 

IMG_20170606_1952446Unsere 2017 Tour führt uns diesmal nicht in den gewohnten Süden bei knapp 40 Grad und Knallsonne.
Im Juni möchten wir einige der noch fehlenden östlich-nordischen Länder kennenlernen, die uns auf der Europa-Liste fehlen. Dazu brechen wir Mitte Juni von München auf über Polen ins Baltikum.
Wir erleben Weiße Nächte, die Sommersonnwende, Blumenkränze, Sommer – Sonne – Strand – Meer.
Wir essen Rote Beete, Borscht, dunkles Brot und Piragi.
Wir sehen die Kurische Nährung, Kolka, Vilnius, Riga.
Und zum krönenden Abschluß werden wir St. Petersburg einen Besuch abstatten, bevor es über Helsinki mit dem Schiff wieder in deutsche Lande geht.

4 Wochen werden wir mit Wiggerl auf Tour sein, diesmal mehr Straßenasphalt als Piste, aber ganz bestimmt wird uns die eine oder andere Schotter-Matsch-Abbiegung reizen, um 4×4 wieder ausgiebig testen zu können

Heimwärts: Mirupafshim në Shqipëri – Dobrodošli u Crnu Goru/Hrvatsku/Bosnu/Sloveniju

So schnell vergeht die Zeit. Seit zwei Wochen auf Tour, was für diese Ecke Europas ohnehin viel zu wenig ist. Alleine hier auf dem hervorragenden Campingplatz Lake Shkodra hätten wir mühelos noch mehrere Tage vergammeln können.

Aber wie so oft: hilft halt nix. Der Alltag ruft bald wieder. Vor allem weil wir uns für den Rückweg ja doch auch etwas Zeit nehmen wollen, vor uns liegen knapp 1.500km entlang der Küste Dalmatiens.

Und wir kommen los an diesem morgen: mal wieder so gar nicht. Ewiges rumtrödeln und absolute Heimreiseunlust sorgen dafür, dass wir erst  nach 11 Uhr überhaupt mal vom Campingplatz runterrollen. Gegen 12 erreichen wir dann den Grenzübergang Han i Hotit, wo wir nach kurzer und harmloser Abfertigung ein paar Minuten später bereits auf montenegrinischem Asphalt rollen.

Next Stop: Budva. Hier waren wir das letzte mal 2011, und wir sind unglaublich gespannt, wie es hier heute ausschaut. Und so rollen wir durch die Berge Montenegros bis wir wieder das Meer erreichen. Den ersten kurzen Abstecher machen wir nach Rafailovici wo wir damals waren. Und wir sind einigermaßen sprachlos.

Was damals noch eine einigermaßen beschauliche Bucht war ist mittlerweile bis in den letzten Winkel bebaut, Hotels noch und nöcher, und angesichts der allgegenwärtigen russisschsprachigen Reklame ist die Zielgruppe auch relativ schnell klar.

Wir halten uns gar nicht groß auf und fahren weiter nach Budva, vorbei am neugebauten Dukley Garden, der neue Millionaire’s Playground von Montenegro. Mittlerweile strahlt hier alles ein bisschen Casino Royale-Atmosphäre aus.

In Budva nehmen wir uns jedenfalls Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang entlang der Flaniermeile an der Marina, trinken einen schönen einheimischen Roten und denken uns, hach, so könnte Urlaub ewig sein.

Irgendwann fahren wir widerwillig doch weiter, und als wir die Bucht von Kotor erreichen müssen wir uns entscheiden: den Shortcut mit der Fähre nehmen oder auf der Straße um die Bucht herum?

Wir denken uns noch: Shortcuts sind Gehetzte. Also außenrum. Gab ja auch nicht wirklich eine Gewichts- oder Größenbegrenzung oder ähnliches. Nunja, jedenfalls hat es nicht lange gedauert bis wir uns dachten: irgendwie hatten wir die Straße doch nicht ganz so schmal in Erinnerung….

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Alles bissi enger in der Bucht von Kotor….

Also landschaftlich war die Strecke bestimmt toll. Dafür können wir jetzt Wiggerl auf Millimeter genau zwischen Gegenverkehr und Hausfassaden durchmanövrieren….

Irgendwann schon in der Abenddämmerung erreichen wir die Grenze nach Kroatien, sind innerhalb von 15 Minuten durch und entscheiden, gar nicht mehr weiterzufahren, sondern steuern den ersten Ort hinter der Grenze direkt am Meer an: Molunat. Wir rollen also die enge und steile Straße in den kleinen Ort hinab und sind dort natürlich erstmal Hingucker. Wir erreichen einen kleinen Stellplatz in einem Innenhof, wo ein paar andere Womos stehen. Ein älterer Brandenburger macht sich gleich dran, uns rückwärts in die enge Angelegenheit einzuweisen, und ruckzuck sind wir belagert. Woher, wohin, was für ein Fahrzeug, blablabla. Irgendwie lustig.

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Kein Kroatienaufenthalt ohne Fischplatte

Wir gehen zur Abwechslung an diesem Abend mal wieder richtig gepflegt essen. Fischplatte muss einfach sein. Und Molunat ist ein richtig nettes ruhiges Örtchen. Gefällt uns hier.

Am nächsten Tag dann wieder: nordwärts. Immer hart am Meer auf der alten Küstenmagistrale fahren wir an einer der schönsten Küstenstrecken Europas. Dubrovnik müssen wir leider links liegen lassen – verdammter Zeitmangel.

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Keine Restzweifel, welche Spezies hier wildwechselt…

Irgendwann erreichen wir die unvermeidbare Grenze für 10km Bosnien-Herzegowina. Selbst wenn in Neum ja auch nur kroatische Flaggen wehen. Da über diese Grenze auch so ziemlich alles rollt, was zwischen Dubrovnik und dem Rest Koratiens verkehrt ist hier am Grenzübergang auch mal Stau angesagt, und wir rollen in der PKW-Schlange (wie bisher an allen Grenzen) langsam an den Schlagbaum. Dann Passkontrolle, Alex steigt mit den Pässen aus, und zum ersten mal geht der Zirkus los.

  • Zöllner: „Kamion!“ Und verweist in die LKW -Schlange.
  • Alex: „Ali to nije kamion, to su kamper!“ Das ist ein verdammtes Wohnmobil und kein LKW!
  • Zöllner: „Kamion!!“
  • Alex: „Ajde, nije kamion!“
  • Zöllner: „Kamion!“
  • Alex: „Ajdeeeeee…. i šta sad?“ Und nun?

Zum Glück war hier der Punkt erreicht, an dem es dem Zöllner selbst zu blöd wurde. Unter wüsten Flüchen stempelt er die Pässe und am Ende rollen wir trotzdem nach Bosnien rein.

Pünktlich zur Mittagszeit rollen wir nach Neum rein, was zweierlei heisst. Essen fassen, und zwar Gegrilltes. Und zwar reichlich davon.

Und dann noch Diesel fassen. Ebenfalls reichlich davon. Nirgendwo auf der Strecke wird der Diesel günstiger als hier, wo wir für ziemlich genau einen Euro/Liter beide Tanks sowie den Reservekanister voll machen. Damit kommen wir aber sowas von locker bis nach Hause….

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D-Mark-Preise in Bosnien, Wechselkurs 1,95583.

Und ab jetzt geht es mit vollen Tanks wieder nach Kroatien rein, wo wir kurz vor Split dann auch mal die Küstenstrasse verlassen und zumindest temporär auf die Autobahn wechseln, sonst kommen wir ja gar nicht mehr vorwärts.

Hinter Zadar verlassen wir die Autobahn dann aber auch schon wieder und rollen nun die Kvarner Bucht entlang. Hach, könnte man hier teilweise schön stehen bleiben. Aber ist ja leider sowas von verboten in Kroatien. Unterwegs treffen wir ein Ehepaar aus Portugal in einem alten MB100D, die gerade auf Balkantour sind. Respekt, ganz schöne Entfernung…

Jedenfalls werden wir für die letzte Nacht auf Tour nochmal auf einen Campingplatz angewiesen sein. Und so erreichen wir irgendwann am Abend Senj, wo wir auf einem völlig überfüllten und wenig attraktiven CP eintreffen und sofort das Geschau sind von Heinz-Rüdiger aus Hintertupfing und Karl-Arsch aus Wanne-Eickel, deren Tupperidylle wir nun sichtlich zu stören scheinen mit 12-Tonnen-Allrad in der Euro-Null-Ausführung. Wenigstens treffen wir die Portugiesen wieder, mit denen wir den Abend vor ihrem Benz verbringen, uns köstlich amüsieren und wir auf kulinarische Reise nach Portugal gehen. Die beiden haben so ziemlich alles aus Portugal mitgebracht: Käse, Wurst, Weisswein, Rotwein, Portwein, und alles müssen wir probieren.

Es ist vielleicht kurz nach zehn, als Karl-Arsch aus Wanne-Eickel um den Benz schleicht, einen Blick auf das portugiesische Nummernschild wirft und sodann zu seiner Hilde rübermosert „Das sind Polen, kein Wunder, dass die so einen Krach machen!“.

Endlich wissen wir wieder, warum wir niemals Wohnmobil-Urlaub in Heimatnähe machen wollten.

Nächster morgen, 19.9., letzter Reisetag, und wir können es am Morgen gar nicht abwarten, dieses Schrebergartengrauen zu verlassen. Weg, weg, weeeeg hier.

Unser Durchschnittstempo steigt nun, ab Rijeka geht es auf der Schnellstraße in Richtung Slowenien, das wir aber unter weitgehender Vermdeidung der unverschämt teuren Autobahnen (10 Euro für weniger als 15km. Respekt. So dreist langen nicht einmal unsere südlichen Nachbarn zu.) durchs schöne SočaTal durchqueren und über den Predil-Pass nach Italien fahren. 

Wir gönnen uns noch einen kurzen Aufenthalt mit einem letzten mediterranen Essen und Wein in Tarvisio und nehmen dann den Nassfeldpass in Angriff.

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Früher unsere Cabrio-Strecke, jetzt mal mit dem Laster

Und sobald wir auf österreichischen Straßen rollen denken wir nur: jetzt aber nix wie heim. Und wie immer zieht sich die Strecke heimwärts über Felbertauern und Kitz endlos wie Kaugummi. Irgendwann gegen 23 Uhr rollen wir schon im Sekundenschlaf in München vor die Haustür.

Geschafft. Schön war’s.

Danke Albanien.